Ornaments

Arnold 1787 p. 22 The word APPOGGIATURA is derived from the italian word APPOGGIARE; which means, to lean, or rest upon … The APPOGGIATURA has no determined duration of time; being sometimes made short, and at others long, according to the stile of the musick in which it is introduced, and conformably to the caprice, taste, or judgment, of the performer. Common usage, however, with the sanction of the best Masters, has fixed the general time of the APPOGGIATURA to be half the value of the note to which it is prefixed; so that the APPOGGIATURA divided the note before which it is placed into two equal parts, the APPOGGIATURA taking the first half, and the note itself the remainder [ex.].

J. Gunn 1790 p. 18 The modern refinements in the performance of music, however multifarious and complicated they may be thought, have certainly not increased the number of what are strictly called graces, but, on the contrary, have considerably diminished their number, and greatly simplified them. The performers of the old school had much more of what may be called the graces of the finger, than the modern, which cultivates more the expression and powers of the bow, and the management of tone. … The graces now most commonly used by the best singers and instrumental performers, exclusive of what is called embellishments, or variations of a given melody, may be reduced to these three; the shake, the turn, and the appoggïatura.

G. Tromlitz 1791 S. 238 Manieren sind Auszierungen und Verschönerungen eines Gesanges; sie machen denselben, wenn sie mit Vorsicht gebrauchet werden, gefälliger, mannigfaltiger und fliessender. Diese Auszierungen sind nothwendig, und können nie wegbleiben. Hat der Componist schon selbst seinen Gesang reichlich damit versehen, so muß der Ausführer mit seinem Zusatz sehr sparsam und sehr vorsichtig seyn, wenn er nicht mehr verderben als gut machen will. Diese Auszierungen sind entweder wesentlich oder willkührlich. Die wesentlichen Manieren, welche eigentlich die Würze des Gesanges sind, können nicht wegbleiben, sind dahero nothwendig. …  Hat sie der Komponist nicht ausgedrücket, so ist es dem Nachdenken des Ausführers überlassen, dieselben hinzuzuthun. … Da aber ein Stück, wenn es von mehrern zugleich gespielet wird, auf einerley Art vorgetragen werden soll, so ist es nöthig, daß der Componist alles, wie er es haben will, dazu schreibe … Um nun überhaupt wissen zu können, wo, und wie dergleichen wesentlichen Manieren angewendet werden müssen, ist nöthig, daß man fleißig solche Spieler höre, von denen bekannt ist, daß sie dieser Sache gewachsen sind; oder wenn man es haben kann, daß man oft gut, ich sage: gute Sänger höre; diese werden das Gefühl bilden, und in Ordnung bringen, daß man ein Stück, wenn auch keine Manieren dazu geschrieben sind, doch gut wird auszieren und vortragen können. Regeln lassen sich hierüber nicht geben. Aber man hüte sich ja, daß man keinen Mißbrauch davon mache, und den Gesang mit dergleichen Auszierungen zu sehr überhäufe. Richtiges Gefühl und richtige Urtheilskraft werden entscheiden und die Mittelstraße wählen. Lieber zu wenig als zu viel. …

Die willkührlichen Auszierungen, welche nichts anders sind, als wenn man einzelne Noten in mehrere auflöset, werden öfters von dem Componisten selbst hingeschrieben, oder der Ausführer macht sie, wenn er es im Stande ist; ist er es nicht, so ist es besser, daß er es nur spielet, wie es der Componist gesetzet hat. … Diese wesentlichen Manieren nun, deren man sich heut zu Tage bedienet, sind: 1) Die Bebung. 2) Der Vorschlag oder Vorhalt. 3) Der Nachschlag. 4) Der Anschlag. oder Doppelvorschlag. 5) Der Schleifer. 6) Der Doppelschlag. 7) Der Pralltriller und Schneller. 8) Der Mordent. 9) Das Battement. 10) Das Forte und Piano; und das Wachsen und Abnehmen. 11) Das Durchziehen. 12) Der Triller.

J. Fröhlich 1811 S. 54 (…) denn für alle Manieren und Verzierungen gilt nur eine Regel: sie sind allgemeine Formeln, deren ganze Deutung und Art der Darstellung (ob sie z.B. stark, oder schwach, weich, zart, oder kräftig u.s.w. vorgetragen werden müssen) von dem Charakter des Tonstückes im Ganzen, so wie jeder Stelle im einzelnen, bey der sie stehen, abhängt.

J. Fröhlich 1811 S. 55 Sie (die wesentlichen Manieren) werden in den Stücken entweder von den Tonsetzern selbst (teils mit kleinen Nötchen, teils mit ihren bestimmten Zeichen) angedeutet, oder die Einschaltung derselben bleibt dem Ausübenden überlassen. Im ersten Fall hat der Ausführer nur die oben angegebene Grundregel aller Verzierungen zu beobachten, im 2ten muss er behutsamen lieber zu viel als zu wenig sparsam verfahren, besonders, wenn schon häufig dergleichen Manieren von dem Tonsetzer während des Stücks angezeigt sind. Die itzt gebräuchlichsten wesentlichen Manieren sind: 1) der Vorschlag oder Vorhalt, 2) der Nachschlag, 3) der Doppelschlag oder Anschlag, 4) der Schleifer, 5) der Schneller, 6) der Triller und Pralltriller, 7) der Mordend, 8) der Doppelschlag, 9) das Battement (Zusammenschlag), 10) die Bebung, 11) das Durchziehen.

A. B. T. Berbiguier 1818, 1819 p. 24, 18 On ne doit jamais mettre des notes d’agrement que lorsqu’elles sont notée; il faut se garder scrupuleusement d’ajouter la moindre petite note, par exemple devant une blanche, une noire, et même une note quelconque, qui commence un chant. Cette manière d’ajouter est insupportable; c’est à cela surtout qu’on reconnait une bonne ou une mauvaise école. Il faut qu’un chant soit purement exécuté. Il n’appartient qu’aux virtuoses, doués de moyens extraordinaires de se permettre ce qu’on appelle vulgairement des BRODERIES: encore ceux en font le moins, à notre avis sont les plus habiles. Le grand art dans le chant est de trouver l’expression dans le chant même, et non pas de chercher à éblouir par faux moyens qui sont ordinairement la ressource des gens sans ame.

A. B. T. Berbiguier 1819 S. 18 Man muss nie eine Vorzeichnung anbringen, als wenn sie vorgeschrieben ist. Man hüte sich auf das sorgsamste den kleinsten Vorschlag vor irgend einer Note anzubringen, die eine Melodie anfängt. Die Sucht dergleichen Zusätze zu machen ist unerträglich, u. man erkennt hieran vorzüglich eine gute oder schlechte Schule. Eine jede Melodie muss einfach vorgetragen werden. Nur dem Virtuosen mit ausserordentlichem Genie begabt, kann es gestattet werden, dich solcher Verzierungen (insgemein Broderien genannt) zu erlauben; und selbst hier sind, meiner Ansicht nach, diejenigen doe vorzüglichsten, die sich deren am wenigsten bedienen. Die grosse Kunst im Gesange ist die: den Ausdruck im Gesange (oder Melodie) selbst zu finden; nicht aber, durch solche falsche Hülfsmittel blenden zu wollen, welche nur die Zuflucht geist und seelenloser Menschen sind.

Ch. Nicholson 1821 p. 11 A mistaken idea has long prevailed with regard to Slow Airs or Adagios, – namely, „that Melody is greatly improved by the introduction of a variety of Embellishments.“ My opinion is, that in all Slow Movements or in National Airs, the simple, unadorned Melody, is not only more pleasing to the Ear, but affords the greatest latitude for the display of the most refined Expression; a beauty for which the Flute is justly celebrated, but which seldom succeeds in the practice of rapid Passages.

L. Drouet 1827 S. 65 Dergleichen Verbrämungen, und sonstige Vorschläge &c muss man nie bey Music von Haydn, Mozart, Beethoven, und anderen Tonsetzern ähnlichen Rufs, anwenden wollen. In Compositionen z:b: im Finale einer Sinfonie, wird sich ein Thema mehrmals wiederholen, es erscheint aber jedesmal unter einer neuen Ansicht durch die Abwechselung der Harmonie. Die Verzierungen richten sich übrigens nach dem herrschenden Geschmack welcher nur durch anhaltende Übung erlernt werden kann.

L. Drouet 1827 p. 65 On ne doit jamais faire usage de ces Broderies qu’on nomme agrémens du Chant, dans la Musique d’Haydn, de Mozart, de van Beethoven et autres Compositeurs à peu près de cette trempe. On verra, il est vrai, dans un Final de Symphonie d’un de ces grands Maîtres un Motif se répéter plusieurs fois; mais il parait toujours sous un aspect nouveau pas la variété qui règne dans l’Harmonie. Je n’en dirai pas d’avantage sur ces ornemens qui doivent être dictés par le goût du jour, et qu’une longue expérience seulement peut apprendre à bien placer.

E. Walckiers 1829 p. 128 Les Ornements, qui consistent en Appoggiatures, Trilles et Brisés, servent à la connexion plus intime des sons, à la liaison de la mélodie et, par conséquent, à la beauté de l’exécution.

L. Drouët 1830 p. 9 I write an article on this subject [Embellishments], less for the purpose of instructing you, how to make embellishments, than for inducing you to use them very rarely _ These artifices are usually employed as the means of ornamenting melodies, but which, to people of good taste, tend rather to deteriorate, than to improve them. (…) We ought never to employ (those) embellishments in the music of HAYDN, MOZART, BEETHOVEN, and other composers of that calibre.

L. Drouët 1830 p. 18  I must recommend the pupil to be sparing in the use of embellishments, vibrations, glidings, &c. for they should be seldom or never used – Recourse should not be had to these tricks, for a pure style disallows them, because vitiate rather than improve, good compositions – He who attempts to improve HAYDN with an embellishment, MOZART with a vibration, and BEETHOVEN with a glide, injures these distinguished masters. In trifling music on the repetition of a phrase, an embellishment may find its place, a vibration may be used, and a gliding produce a pretty effect; but the frequent employment of those charlatanisms, are redundancies, which destroy the sense of a melody and make a caricature of it – To acquire a pure style, nothing can contribute so much, as the study of good composition.

H. Soussmann 1842/3 S. 3 Die Vorschläge sind kleine Noten, welche grossen oder Grundnoten entweder ober- oder unterhalb beigesetzt sind und auf dieselben führen. Es giebt dreierlei Arten: langer Vorschlag, kurzer Vorschlag, Doppelvorschlag. Der lange Vorschlag wird mehr als seine Grundnote betont; der kurze Vorschlag wird gewöhnlich mit einem Querstriche durch den Hals bezeichnet und dient meistens zur Verstärkung des Accents (Bsp.). Der Doppelvorschlag besteht aus zwei kleinen Noten, welche an die Grundnote angeschnellt wird.

A. B. Fürstenau 1844 S. 47 Werden Verzierungen mit Vorsicht angewendet, so ist ihre Vortheil für das Spiel kaum mit Worten zu beschreiben. Sie beleben die Melodie, unterhalten die Aufmerksamkeit, geben den Tönen mehr Ausdruck und Bedeutung, und bringen Licht und Schatten in das Tonstück.

In früherer Zeit überliess der Componist die Ausschmückung der Melodie dem Spieler oder Sänger; doch entstand daraus eine Willkühr und Geschmacklosigkeit ohne Ende, und so hielt man es, um diesem Übelstande abzuhelfen, für zweckmässiger, die nöthigen Ausschmückungen durch Zeichen oder kleine Noten vom Componisten selbst vorschreiben zu lassen.

Zu den gebräuchlichsten, noch von jenen Zeiten uns überlieferten, Verzierungen gehören nun: Zu den durch Zeichen vorgeschriebenen: I. Der Triller, und zwar 1. der eigentlich Triller (tr), 2. der Pralltriller oder Schneller. II. Der Doppelschlag oder Variirtriller, jetzt auch wohl Mordent genannt (∽). Zu den mit (kleinen) Noten vorgeschriebenen: III. Der Vorschlag, und zwar 1 der lange, 2 der kurze Vorschlag. IV. Verschiedene andere Verzierungen ohne Namen.

A. B. Fürstenau 1844 S. 78 / 79 Einige willkührliche, aber seltene, jedoch bisweilen mit Vortheil anzuwendende Manieren. (…) Man trifft diese Spielmanieren vom Componisten nicht vorgeschrieben an, sondern ihre Anwendung ist ganz der Willkühr des Spielers überlassen. Da aber selbige, wenn sie nicht mit ganz besonderer Auswahl der geeigneten Stellen und höchst sparsam gebraucht werden, weit eher in Missbrauch ausarten, ja Übelklang erzeugen (da dies schon überhaupt die Folge eines häufigen Gebrauchs der Verzierungen ist); so hat man mit möglichster Vorsicht dabei zu verfahren, ihre Anwendung ist Denjenigen, dem nicht natürliches Gefühl und ein richtiger Geschmack zur Seite stehen, eher gänzlich und unbedingt zu widerrathen als auf die Gefahr hin, ihn zu einem manierirten, affectirt klingenden Spiel zu verleiten, anzuempfehlen.

Aus dem Grunde mag ich auch nur bedingungsweise den Spieler veranlassen, sich mit den Jetzt näher zu besprechenden Manieren, nämlich: des Bebens, des Klopfens, und des Überziehens der Töne, vertraut zu machen.

Hugot / Wunderlich 1856 S. 8 Die Verzierungen bestehen aus kleinen Noten, die in einem Takte, ohne dessen Zeitdauer zu verändern, angebracht werden.