Gliding / Portamento

J. G. Tromlitz 1791 p. 263, 264 Nur noch von einer jetziger sehr gangbaren Auszierung ein paar Worte; ich meyne das Durchziehen einer oder zweyer Töne, welches geschiehet, wenn man den Finger nach und nach vom Loche wegziehet, oder darauf schiebet, oder von der Seite her nach und nach verdecket, und auf gleiche Weise öffnet. Ich habe diese Auszierung darum mit hierher gesetzt, weil die jetziger Zeit so sehr Mode geworden ist, daß sie beständig herhalten muß; sonst ist sie mehr willkührlich als wesentlich, und könnte sehr oft recht gut wegbleiben. Man untersuchet nicht, wo sie sich hinschicket; man bedenket nicht, daß sie nur selten, sehr selten gehöret werden müsse, wenn sie nicht Ekel erregen soll, sondern man macht sie zehnmal in einem Satze, und heult bey jeder Gelegenheit runter und nauf, daß es kaum auszustehen ist. Viele machen sie nicht sowohl der guten Sache wegen, als nur um zeigen zu wollen, daß sie diese Mißgeburth auch auftreten lassen können. ich nenne sie eine Mißgeburth; und das ist sie in den Händen unserer meisten sogenannten Concertspieler. Wird sie zu rechter Zeit auf ihren gehörigen Platz gebracht, so thut sie ihre gute Wirkung; aber selten muß sie gehöret werden, denn ist von der Art, daß sie leicht unausstehlich wird, wenn sie zu oft erscheint. Man machet sie im Gesange auf Gänge, die durch halbe Töne abwärts oder aufwärts steigen; doch ist sie abwärts gebräuchlicher als aufwärts. (ex.) Im zweyten Takte dieses Beyspiels ist diese Manier auf folgende Art anzubringen: so bald man das g, die erste Note in zweyten Takte, greifet, so leget man sogleich die beyden Finger, die zum f nöthig sind, nehmlich 4 und 6 etwas ausgestreckt an die Seite der Flöte den Löchern gerade gegen über, doch ganz nahe an dieselben, und decket auf diese Weise, indem man nach und nach die Finger nach den beyden Löchern hinneigt, dieselben zu, so ziehet sich der Ton von g unvermerkt und ohne Absatz herunter zum f. Dieses Verfahren ist besser, als wenn man sogleich die Spitzen der Finger an die Löcher setzet, und sie nach und nach über die Löcher schiebet, biß sie zu sind. Dieses wird nicht einem jeden gerathen, aber wohl jenes. Wer trockne Finger hat, kann es thun, aber wer feuchte Finger hat, kömmt nicht gut fort, denn die Finger bleiben immer hangen, sowohl beym Hinschieben als Wegziehen, und das Intervall fließet nicht glatt zusammen, sondern wird höckerig. Im letzten Tackte findet sich auch ein Beyspiel aufwärts von dem Vorschlag D’’ zur Note E’’; gewöhnlich macht man aus dergleichen Vorschlägen zwey Noten: als hier gilt der Vorschlag ein Viertel, daraus macht man zwey Achtel, das erste d’’, das zweyte dis’’ und das e’’ wird daran gezogen. Wenn man sich aber vom d zum e durchziehen will, ohne daß man dis berühret, so hebet man die Spitze des sechsten Fingers nach und nach auf, biß man den Finger ganz vom Loche weg und e hat. Sobald man aber bey dergleichen Durchziehen das Loch anfängt zu öffnen oder zu decken, so muß man den Wind ein wenig verstärken, damit der Ton gleich stark bleibe, welches sonst ohne diese Vorsicht nicht geschiehet.

J. Fröhlich 1811 S. 87 Wir wollen nur noch der Manier des Durchziehens eines oder einiger Töne gedenken, welches geschiehet, wenn man den Finger nach und nach vom Loche wegziehet, oder darauf schiebet, oder von der Seite her nach und nach bedecket, und auf die gleiche Weise öffnet. Man machet sie im Gesange auf Gänge, die durch halbe Töne abwärts oder aufwärts steigen. Letzteres ist seltener.

Ch. Nicholson 1816 p. 21 This Embellishment which the Author has long adopted from its soft and graceful effect, he would strongly recommend as well worthy the Pupils practice and attention.

Gliding is produced by sliding the finger forwards gently and gradually from off the Hole, instead of suddenly lifting it, as generally practised; by which the preceding note will have the effect of being imperceptibly led into, or incorporated with its next succeeding note. For Example, suppose the note to be F#, with G. Natural following, by gently sliding the first finger of the right hand forward from off the Hole, it will lead by a sweet swelling gradation into the note of G. The same effect may be produced in various instances with equal delight. This Expression is much practised and with sweet effect by the generality of Performers on the Violin.

J. Wragg 1818, 1825 p. 66 Gliding is that delightful Expression so much practiced by the generality of Performers on the Violin and which, from its soft and soothing character, produces the happiest effect, when neatly executed by a skilful performer on the Flute. It is thus written ☾ – and being so much used by the most celebrated Masters of the present days, cannot be too strongly recommended to all those Amateurs who wish to give to their performances that expression of sensibility and feeling for which this Instrument is so peculiarly adapted.

Gliding is produced by sliding the Finger gently and gradually forwards from off the hole, instead of lifting it off abruptly as usually practiced: by this means, the first Tone is so beautifully blended and incorporated with the following Note, that the transition from the one to the other is almost imperceptible. For instance; if, whilst sounding F# the fore finger of the Right hand be gently passed forwards from off the hole, it will seem steal into the next note by such a smooth, soft, and sweetly-swelling gradation, as to produce an effect truly delightful, – elucidating the Glide from F# to G thus (ex.). …

A Chromatic Run from any given note to another, including all the half notes within the Interval, has an effect somewhat similar to that of the Glide; but it ought to be executed with great neatness and rapidity, or the effect will be defeated. – It is often introduced by the most able Flute Players; …

Ch. Nicholson 1821 p. 5 Whenever this mark ☾ appears, The Notes to which it attaches, are intended to be GLIDED, one of the most pleasing expressions of which the Instrument is capable, – and which is produced by sliding the Finger or Fingers gently off so as to gradually uncover the hole or holes, instead of lifting them up suddenly. The Pupil should be careful to let the Note to which he glides be quite Sharp, as the Tone, in ascending so gradually, causes it to appear generally Flat.

R. Dressler 1827 p. 48 Gliding is performed in ascending, by sliding the finger gently off the hole; and in descending, by gradually covering it. The intervals most susceptible of this ornament are those between the middle F# and G, and between the upper C# and D. The effect of the Glide is excellent in places where it is suitable; communicating, if used with discretion, encased feeling and passion to melodies of an expressive character. But, some performers become so enamoured of it, that they can scarcely pass from one note to another without gliding; producing a mewing, monotonous effect, almost insupportable. The student cannot be too much on his guard against the acquisition of so vicious a habit.

Grenser AMZ 1828 ”Eine andere Verbesserung und grössere Schönheit,“ fährt der Verfasser fort, „welche ohnlängst ins Flötenspiel eingeführt wurde, ist das Durchziehen oder Gleiten von einem Tone zum andern. Ich glaube, Hr. Nicholson nimmt die erste Anwendung dieser Ausdrucksart in Anspruch“ (NB. in England). „Wenn sie jedoch nicht seine eigene Entdeckung ist, so ist es doch gewiss, dass er sie auf die höchste Stufe der Vollkommenheit gebracht hat. Die Wirkung dieser Zierde ist ausserordentlich schmeichelnd und schön; doch muss sie, gleich der Bebung, mit Bedacht und nur sparsam gebraucht werden. Wenn zu oft Zuflucht zu ihr genommen wird, so übersättigt sie bald, wie alle andere sehr süsse Sachen, und wird ekelhaft mit ihrer eigenen Annehmlichkeit. Sie hat schon überdies einen Anschein von Ziererey, wider welche man sich aufs sorgfältigste verwahren sollte.“

Wie wahr spricht hier der Verfasser über die Wirkung dieser Zierde; und hier in Teutschland wissen wir diess zu würdigen, wo diess agrement schon die Periode des Misbrauchs durchlaufen hat, und nur noch hier und dort von Einzelnen als Manier ausgeübt wird. Ursprünglich war wohl dieses Durchziehen der Töne aus der gutgemeynten Absicht entstanden, auch dadurch der Menschenstimme in der Nachahmung näher zu kommen.

Da es aber nur selten einem Künstler gelang, das kaum bemerkbare Durchziehen von einem Tone zum andern, eben so leise, oder auch nur nahe daran, auf einem Instrumente hervorzubringen, so wurde dadurch öfter mehr an gewisse Thierstimmen, die eben nicht zu den angenehmeren gehören, erinnert und also die Absicht verfehlt. Letzteres geschah am meisten von denen, welche nur Spieler auf Instrumenten, die diese Zierde anwandten, zu copiren suchten und bloss eine besondere Manier zu spielen darin sahen. Hingegen die, welche merkten, was die wahre Absicht dabey sey, belauschten einen guten Sänger und suchten diesem nachzuahmen; solchen glückte es eher noch. Ueberhaupt ist aber die Nachahmung der Menschenstimme in dieser Eigenschaft leichter auf Bogen- als auf Blas-Instrumenten zu machen, und darum auch häufiger und glücklicher auf jenen als auf diesen ausgeübt worden. Derselbe Fall ist es auch mit der schon erwähnten Bebung. Unter den teutschen Virtuosen auf Blasinstrumenten, die ich zu hören Gelegenheit gehabt habe, erinnere ich mich hierbey an zwey, die mit Geschmack das Durchziehen der Töne anwendeten, nämlich an den verstorbenen Oboisten Thurner, und an den berühmten Flötisten Fürstenau; aber auch an einen, der Missbrauch mit dieser ihm vorzüglich gelingenden Fertigkeit trieb, nämlich an den Flötisten W. aus W.

Th. Lindsay 1828 p. 30 The Glide is a sort of Double Slur, both in from and effect, and is produced by sliding the finger gently and smoothly from off the holes, instead of abruptly lifting them up, as usual; by … means, the two extreme tones of the interval become so softly and beautifully incorporated, as to produce the happiest effect, in those passages of sensibility and feeling, for which the Instrument is justly admired. … The Glide is often practised by Mr. NICHOLSON, in his Adagios, with admirable effect; and however … certain witlings have attempted to throw ridicule upon it, is an expression certainly well … the cultivation of all who wish to give that true pathos to a performance, which never fails to touch the heart. When practising the ascending GLIDE, the pupil should be careful to blow the note glided to, sufficiently ..  because from the very gradual blending of the two sound the interval is apt to appear flat, is this intention is not attended to. Additional power and pathos may occasionally be thrown into the Expression, .. slight increase of the column of air which produces it. The Glide must not, however, be too frequently introduced, for, as Mr. JAMES has well observed, „like all other sweets, it soon becomes loathsome in its own deliciousness.

Ch. Nicholson 1836 p. 70 The Glide (☾) when judiciously introduced, has a most beautiful effect; it is produced by drawing the fingers off the holes instead of lifting them, by which means two or more notes with a continuity of tone may be exquisitely blended. The fingers of the left hand ought to be drawn off towards the palm of the hand, and those of the right forced forward, or the hand raised so as to remove the finger by slow degrees from the holes. The note glided to, ought to be fully sharp, as the tone by ascending so gradually will otherwise appear flat. The highest note where the glide is marked should generally be forced; but should it be marked piano, by attending to the observations on playing piano or subduing the tone, the effect may be produced, and perfectly in tune. — When more fingers than one are employed to produce this charming effect, their movement must be simultaneous.

J. Alexander 1840? p. 30 A Glide written thus ☾ is an Embellishement much practised by the generality of performers on the Violin; and which from its delightful and expressive effect, cannot be too strongly recommended to Amateurs of the Flute, who are desirous of a tasteful and expressive execution for which this Instrument is so peculiarly adapted. ___

Gliding is produced by sliding the finger gently and gradually forwards from off the hole, instead of suddenly lifting it off, as usually practiced; by this means the preceding tone will be blended or incorporated with the following note: as for instance in the example above from F# to G, if whilst sounding F# the fore finger of the right hand be gently passed forwards from off the hole, it will lead by a sweet swelling gradation into the note G, the same effect may be produced in various instances with equal delight, but it should only be introduced in passages that require much pathos and feeling, and here, if well managed the effect is beautifully expressive.

A. B. Fürstenau 1844 S. 84 Man bediene sich des Überziehens – wozu sich im Allgemeinen wohl am besten die Töne in der zwei= und dreygestrichnen Octave qualificiren – etwa in Tonstücken von zärtlichem Character und mit langsamen Tempo, vorzugsweise im Adagio, und zwar nur da, wo keine Begleitung stattfindet, weil sonst ein Schwanken in der Harmonie entstehen würde, demnach bei Einleitungen und Cadenzen, welche in eine Melodie oder zu einem neuen Tempo überführen; aber auch hier wieder nicht zu häufig, und wo möglich nicht durch grössere Intervalle, als eine Terz, weil nur zu leicht durch öftere Wiederkehr und längere Ausdehnung das Überziehen dem Zuhörer wie ein Heulen vorkommen kann, und dadurch Überdruss und Ekel erregen muss. (…)

1. Beim Überziehen zu einem höheren Ton darf der dabei wirkende Finger nicht in perpendiculairer Richtung aufgehoben werden, sondern er muss entweder, indem man das erste Glied desselben etwas nach der innern Fläche der Hand zu biegt, allmälig von dem Tonloche abgezogen, oder, was ebenfalls zu empfehlen ist, nach der rechten Seite zu, allmälig vom Loch seitwärts abgehoben werden.

2. Beim Abwärtsziehen zu einem tieferen Ton dagegen ist der betreffende Finger von der Seite her nach und nach auf das Tonloch zu schieben.

NB. Bei Tönen, deren Griff das Schliessen oder Öffnen einer Klappe nöthig macht, ist das Überziehen zu vermeiden, da das allmälige Schliessen einer Klappe sehr schwer ist, und das langsame Öffnen einer solchen ohne bemerkbare Rückung beim Überziehen kaum möglich sein mögte.

Die gehörige Geschicklichkeit der Finger bei Verrichtung ihrer Funktion vorausgesetzt, ist aber – als Nebenbedingung – zum vollständigen Gelingen des Überziehens ganz besonders noch (und hier vielleicht mehr als irgendwo) ein f e s t e r   s i c h e r e r   A n s a t z, damit die unbestimmten Töne, welche durch das Überziehen entstehen, nicht versagen, so wie endlich ein l a n g  a u s z u h a l t e n d e r  A t h e m erforderlich.

Ch. Nicholson 1850 p. 31 This embellishment, which the Author has long adopted from its soft and graceful effect, he would strongly recommend as well worthy the pupil’s practice and attention.

Gliding is produced by sliding the finger forwards gradually and gently from off the hole, instead of suddenly lifting it, as generally practised, by which the preceding note will have the effect of being imperceptibly led into, or incorporated with, its next or succeeding note. For Example, suppose the note to be F sharp with G natural following, by gently sliding the first finger of the right hand forward from off the hole, it will lead by a sweet swelling gradation into the note of G. The same effect may be produced in many instances. This expression is much practised, and with sweet effect by the generality of performers on the Violin, but should not be used frequently on the Flute, or a monotonous effect is produced.